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Blitzschutz SAT-Verkabelung (nicht Haus, nicht Spiegel, nicht Mast, das wäre eigenes Thema)

    • Blitzschutz SAT-Verkabelung (nicht Haus, nicht Spiegel, nicht Mast, das wäre eigenes Thema)

      Hallo,
      als seltener Besucher bin ich überwältigt von den vielen Kategorien die es hier gibt. Ich hoffe ich bin bei "SAT Technik" richtig. Ich habe keinen Beitrag gefunden der "Blitzschutz" im Betreff hat, daher folgende Frage:

      Ich habe zwei Anlagen und wollte unverbindlich wissen ob ein zusätzlicher Blitzschutz in den SAT Kabeln notwendig ist. Ich spreche nicht vom Haus oder der Antenne, ich spreche von der Verkabelung um den Receiver SAT-Eingang zu schützen. (Insbesondere wegen Induktion nahegelegener Blitzschläge?)

      Anlage 1:
      Es gehen 4 Kabel vom Quattro-LNB (am Dach) zu einem Inverto Multischalter (am Dachboden). Dort geht ein Unicable und ein Legacykabel weg.
      - Das Legacykabel geht zum Fernseher.
      - Das Unicabel vervielfältigt sich durch einfache Unicableverteiler, de dann zu den SAT-Receivern gehen.
      Sowohl der Multischalter als auch alle UniCableVerteiler haben einen Erdungsanschluß und sind mit 1,5mm2 geerdet.
      Frage 1a: Ist es erforderlich oder empfehlenswert in die Kabel einen Inline Blitzschutz zu schrauben? (z.B. Dur-Line DLBS 3001)
      Frage 2a: Wenn ja, wo? Zwischen LNB und Multischalter 4 Stück, oder je ein Stück bei den beiden Multischalterausgängen (fängt ggf. Überspannung durch Induktion ab, die ja auch später in der Leitung entstehen kann, oder?) Oder je ein Schutz bei jedem Receiver-Eingang?

      Anlage 2:
      Unicable LNB mit einem Kabel in den Dachboden und dort Unicableverteiler zu den Receivern. Hier ist noch gar keine Erdung vorhanden. Ich denke daran am LNB-Ausgang einen Inline Blitzschutz an den LNB-Ausgang zu schrauben und diesen zu erden.
      Frage 2: Was würdet ihr hier machen um den SAT-Eingang des Receivers zu schützen?

      Bitte um eure Information dazu.
      Danke! lg Wolfgang

    • Also, du musst mal grundsätzlich unterscheiden zwischen Blitzschutz und Potentialausgleich.
      Koaxkabel erfordern keinen Blitzschutz, da ist ein Potentialausgleich vorgesehen. Man nimmt
      z.B. so etwas (siehe Anlage). Dein 1,5 mm², den du zum Potentialausgleich angegeben hast,
      ist zu dünn. Da das Thema nicht trivial ist, würde ich dir empfehlen, die einschlägigen
      DIN-Normen dir durchzulesen.

      Hier mal zwei Links, die etwas Licht diesbezüglich ins Dunkel bringen: ###Klick### und ###Klack###

      Es gäbe gerade zu diesem Thema sehr viel zu schreiben, da es aber nicht trivial ist und man als
      Laie viele Fehler machen kann, sollte man den Blitzschutz Fachleuten überlassen. Auch schon
      aus dem Grund, wenn es zum Schaden kommt und die Anlage nicht den einschlägigen Bestimmungen
      entspricht, die Versicherung ggf. nicht den Schaden begleicht.
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    • Danke für deine Info. Du hast natürlich Recht. Ich überlege grad wie ich die Kurve krieg, ohne dass der Beitrag ausartet. ;) Die Gegebenheiten sind anders, daher versuche ich es nochmal (sorry für den langen Text, aber vermutlich muss ich weiter ins Detail gehen, was ich zuerst nicht wollte):

      Ich bin zwar vom Fach, aber sicher kein Profi, weil es mich nach der Ausbildung beruflich in ein anderes Fachgebiet verschlagen hat. Und da ich etwas angerostet bin wollte ich nachfragen. Ich lasse mich gerne von einem Elektroniker-Kollegen hier im Forum korrigieren, dessen Wissen nicht so angestaubt ist. :)
      Das was du sagst ist für einen Teilbereich natürlich richtig. Ich möchte auch keine Laien dazu ermuntern an der Blitzschutzanlage herum zu experimentieren. Wir sprechen in meinem Thema, wie erwähnt jedoch nicht über Blitzschutz von Haus, Spiegel, Mast, etc. da dieser Blitzschutz vor direktem Blitzschlag helfen und entsprechend fachmännisch installiert sein muss. Dort ist auch ein entsprechender Querschnitt erforderlich. Das klammere ich aus, weil es nicht das Thema ist.

      Das Wort "Blitz" hört sich so ehrfurchtsvoll an, daher verwende ich nun besser den Begriff Überspannungsschutz. Also worum es in DIESEM Beitrag geht, ist ein Überspannungsschutz im SAT-Kabel, aufgrund eines indirekten Blitzschlages. Und dafür sind die zitierten "Dur-Line DLBS 3001" bzw. jene anderer Hersteller meines Erachtens gedacht. Ich denke man holt auch keinen Fachmann, wenn man im Baumarkt einen Stromverteiler mit integriertem Überspannungsschutz kauft und verwendet. Daher schreibe ich nochmal die Situation, falls mein Eingangsposting zu mißverständlich war. :)

      Um ein SAT-Kabel bzw. SAT-Eingang am Gerät vor Überspannung zu schützen, denke ich schon, dass der beschriebene Inline-Überspannungsschutz hilft, jedoch nur dann wenn der Mantel geerdet ist, damit der Strom abgeleitet werden kann. Diese Erdung erfolgt, wenn vorhanden, über die ohnehin vorhandene Erdungsklemmen an den Multischaltern und SAT-Verteilern, an denen der Mantel des SAT-Kabels (Gewinde des F-Steckers) angeschlossen wird. Falls kein Multischlater oder Verteiler geerdet ist bzw. die Erdung fehlt, dann ist eine in deinem letzten Posting abgebildete Potentialausgleichsschiene zu verwenden um den Mantel, also das Geflecht des SAT-Kabels zu erden. Ein 1,5mm2 reicht mE aus, da die Ader des SAT-Kabels wesentlich dünner ist. Und eine Ableitung der Überspnnung erfolgt ja bis zur Erdungsklemme auch über diese Ader. Daher ist eine Ableitung mit 1,5mm2 ausreichend. Vorher würde sowieso das SAT-Kabel wegschmelzen. Aber davon ist bei indirektem Blitzschlag und induzierter Spannung im Kabel nicht auszugehen, denn wir sprechen hier nicht von direktem Blitzschlag, wie bei einem Blitzschutz am Haus. Auch sprechen wir beim SAT-Kabel nicht von Überspannung die durch das Stromnetz kommen kann, sondern bei SAT-Kabeln die davon galvanisch getrennt sind, lediglich von induzierter Spannung durch nahegelegene Blitzschläge. Zusammengefasst denke ich daher, dass der Inline-Überspannungsschutz hilfreich ist, aber nur dann wenn der Mantel des SAT-Kabels geerdet ist.

      Ich hätte gerne eine Bestätigung oder Korrektur eines Elektro-Kollegen gehabt, dessen Wissen "up to date" ist. Also auf Augenhöhe mit ihm/ihr darüber gesprochen. Falls sich niemand meldet auch gut. Ich wollte die Sache nur noch präzisieren.

      Danke an das Forum
      Wolfgang

    • Also der Blitzschutz- und Erdungsspezialist bin ich dann auch nicht und mir ist aktuell
      auch nicht bekannt, wer es in unserem Forum sein könnte.

      Zum Thema Überspannungsschutz, das ist schon wieder ein drittes Thema. Bei einem
      Direkteinschlag hilft i.d.R. der Blitzableiter den größten Schaden zu verhindern. Bei
      einem Einschlag in der Nähe, also keinem Direkteinschlag, hilft i.d.R. der Überspannungs-
      schutz, der, wie der Name schon suggeriert, Überspannungen ableitet, die z.B. über
      die Hausversorgungsleitungen (Netzspannung, Telefonkabel, Kabelfernsehen) ins
      Haus geleitet werden können. Dagegen hilft der von dir erwähnte Dur-Line DLBS 3001.

      Der Potentialausgleich ist wieder etwas anderes und dient dazu, keine unterschiedlichen
      Potentiale auf den Masseverbindungen zu haben, wie z.B. durch Schaltnetzteile erzeugt.
      Das merkt man z.B., wenn man einen F-Stecker auf die F-Buchse am Receiver schraubt
      und man keinen Potentialausgleich hat, ggf. ein kleiner Funken gezogen wird.

      Zum Querschnitt, klar würde auch ein Leitungsquerschnitt von 1,5mm² als Potential-
      ausgleich reichen, aber darum geht es nicht. Hier wird durch den 4mm² Erdungsquerschnitt
      ein geringerer Widerstand zwischen den Komponenten erreicht und dementsprechend
      ein geringerer Potentialunterschied als bei 1,5 mm².

      Kleiner Auszug aus einer Dokumentation:

      Alle genannten Potentialausgleichsleiter müssen mindestens einen Querschnitt von
      4 mm2 Kupfer aufweisen. Aluminium oder andere leitfähige Materialien sind hierfür –
      anders als im Teil 540 von DIN VDE 0100 (VDE 0100) erlaubt – nicht mehr zugelassen.

      Hier mal ein Link, wo schematisch aufgezeigt wird, welche Teile wie bzw. mit welchem
      Querschnitt geerdet werden bzw. wie der Querschnitt beim Potentialausgleich sein MUSS.
      ###Link###
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    • Danke für deine Nachricht. Schaut aus, als ob das eine bilaterale Geschichte ist.

      Ich möchte irgendwie noch darauf hinweisen, dass du Informationen aus dem direkten, dem indirekten Blitzschlag bzw. Überspannung aus der Induktion mischt und das quer über alle elektrischen Anlagen die parallel und teilweise unabhängig voneinander in einem Haushalt bestehen. Ich habe versucht den Focus des Themas nochmal zu präzisieren. Es gelingt nicht. Ich glaube, dass das Thema für ein Gespräch besser geeignet ist als in einem öffentlichen Forum. :)
      Daher kannst du den Beitrag, wenn du möchtest schließen. Mir ist die Sache mittlerweile klar und wir wollen nicht verwirren. Da hast du recht. Wir lesen uns ggf. in einem anderen Beitrag. Und danke für deine sachliche Art.
      lg Wolfgang

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    • Also ich möchte nicht schließen, es geht i.d.R. immer nach dem Wunsch des TE.
      Vielleicht möchte sich noch jemand anders dazu äußern. Aber wenn es dein Wille
      ist, mache ich hier zu - dein Wille geschehe, soll ich? :D
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    • Eleven12 wrote:

      Ich habe zwei Anlagen und wollte unverbindlich wissen ob ein zusätzlicher Blitzschutz in den SAT Kabeln notwendig ist. Ich spreche nicht vom Haus oder der Antenne, ich spreche von der Verkabelung um den Receiver SAT-Eingang zu schützen. (Insbesondere wegen Induktion nahegelegener Blitzschläge?)
      Mit Verzögerung reiche ich mein Senf zum Thema als blitzschutzkundiger RFT nach.

      Für Antennensicherheit ist primär die IEC 60728-11 zuständig, auf Gebäuden mit einem Blitzschutzsystem ist auch die IEC 62305 zu beachten.

      Mit Blitzschutzsystem ist energetisch koordinierter Überspannungsschutz mit SPD 1 Blitzstrom- und SPD 2 Überspannungsableitern für alle Energie-und TK-Kabel normative Pflicht, ohne jedoch nur freiwillige Kür. SPD 2 Überspannungsableiter sind gegen energiereiche galvanische Direkteinschläge mit Impulsform 10/350 µs überfordert und nutzlos, schützen aber als Mittelschutz immerhin gegen induktive Blitzstromeinkopplungen aus Naheinschlägen mit Stoßstrom 8/20 µs.

      Sowohl SPD 1 Grobschutz wie auch SPD 2 Mittelschutz erzeugen einen temporären Kurzschluss zwischen Schirm und Mittelleiter und können nur wirken, wenn der Schirm auch normkonform geerdet ist. Obwohl sich die Normen zu Blitzschutz, Erdung und PA im Kern über Jahrzehnte nur überschaubar geändert haben und im Kern gleich geblieben sind, wird das Thema selbst in Elektrikerforen von Hörensagen dominiert und mit Falschdarstellungen garniert.
      • Lediglich Außenantennen die sich in LPZ 0B getrennter Fangeinrichtungen befinden und zum LPS ausreichend isolierende Trennungsabstände einhalten sind von blitzstromtragfähiger Erdrung nach Klasse H = 100 befreit.
      • Nach aktueller deutscher DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1):2019-02 sind als Erdungsleiter 16 mm² Cu, 25 mm² Alu oder 50 mm² weiterhin zulässig und so steht es auch noch in der Ed. 5 der kommenden IEC 60728-11, deren Verabschiedung durch Corona verzögert wurde.
      • Diese Leiterquerschnitte überstehen per se auch seltene Monster-LEMPs über 200 kA. Lediglich in der für Funksende-/-empfangsantennen zuständigen nationalen Sondernorm DIN VDE 0855-300:2008-08 wurde der Alu-Querschnitt mit 25 mm² gestrichen, da die Mobilfunker ohnehin nur 50 mm² St/tZn, Cu, aber auch weiterhin Alu und Alu-Knetlegierung mit diesem Querschnitt verwenden.
      • Die Binsenweisheit, dass jede Kette nur so stark wie das schwächste Glied ist, hat sich im Antennenbau noch nicht herumgesprochen und wird auch von Elektrikern flächendeckend missachtet. Der Anschluss von 16 mm² Kupferdrähten erfolgt nur höchst selten mit dafür nach Klasse H = 100 kA zertifizierten Verbindern und HES/PAS für Blitzschutzpotenzialausgleich mit Zugklemmen.
      • GRUNDSATZ: Der PA muss auch nach Komponentenausbau an ALLEN Leitungen erhalten bleiben. Als PA-Leiter ist außer dem Standardquerschnitt von 4 mm² Cu bei geschützter Verlegung schon einen Weile auch 2,5 mm² Cu zulässig.
      • Nach Blitzschutzzonenprinzip soll der PA möglichst nahe der Einführung ins Gebäude erfolgen. Bei Schrägdachantennen, bei denen die Kabel gewöhnlich am oder sogar durch den Mast eingeführt werden, ist somit auch bei einem Multischalter im UG ein mastnaher" PA auszuführen. Dieser hat auch die Aufgabe potenziell brandauslösende Lichtbögen zu verhindern.
      • Im Gegensatz zu früher, wo der PA ausschließlich am geerdeten Antennenträger "schleifenfrei" angeschlossen sein durfte, ist inzwischen zusätzliche Vermaschung erlaubt.
      Grafik links mit Optimalschutz nach dem Stand der Technik und rechts nach den Anerkannten Regeln der Technik (= Normminimum gemäß IEC 60728-11).

      Folie69.JPG

      Abschließend noch wie Blitzschutz seit laaanger Zeit normativ definiert ist.

      Seit Äußerer Blitzschutz nur noch zusammen mit Innerem erstellt werden darf, ist die Kastrierung des Begriffs auf den "Blitzableiter" falsch. Blitzschutz ist nach IEC/IEV die Summe aller Maßnahmen, aufgeteilt in den Äußeren Blitzschutz mit Fangeinrichtungen, Ableitungen und Erdungsanlage und den Inneren Blitzschutz mit Potenzialausgleich und Überspannungsschutz.

      Auch auf Gebäuden ohne LPS kann blitzstromtragfähige Erdung dem Äußeren und nicht blitzstrombeaufschlagter Potenzialausgleich dem Inneren Blitzschutz sachlich zugeordnet werden. Dass Blitzschutz in Foren und sonstwo nicht mehr tradiert überholt mit einem "Blitzableiter" gleichgesetzt wird, erlebe ich vermutlich nicht mehr.

      Die Norm für Antennensicherheit hat sich immer mehr der Reihe für Blitzschutz angenähert und zitiert diese vielfach. Blitzstromtragfähige Antennenerdungen haben als Brandschutzmaßnahme schließlich auch die Aufgabe Blitze möglichst umgehend gegen Erde abzuleiten. Dass wegen erdungspflichtiger Antenne keine Bitzschutzsysteme für ganze Gebäude erstellt werden müssen und umgekehrt eausnahmsweise normkonform nach Klasse H blitzstromtragfägie Antennenerdungen keine baurechtlich vorgeschriebenen LPS ersetzen, ist kein Widerspruch, beide Normen sollen mit unterschiedlichem Umfang gegen Blitzeinwirkungen schützen.